Internationales

Die Jugendagentur gGmbH ist eine Tochtergesellschaft der Jugendstiftung Baden-Württemberg und profitiert damit von mehr als vierzig Jahren Erfahrung in der Projekt- und innovativen Bildungsarbeit. Baden-Württemberg ist ein Flächenland mit 44 Stadt- und Landkreisen und 1100 Gemeinden. Junge Menschen vor Ort in ihrer Lebenswirklichkeit zu erreichen, gelingt im Wesentlichen durch lokale und regionale Ansätze, die über die Jugendstiftung Baden-Württemberg als Netzwerke strukturiert sind.

Die Jugendagentur unterstützt den Aufbau regionaler und landesweiter Strukturen im Bereich der Jugendbildung und sorgt für den Transfer von innovativen Modellprojekten und Projektideen.

ERASMUS+-Projekt "One Step Beyond"

Hintergrund des Projekts: Warum braucht es „One Step Beyond?“
Demokratieförderung, Menschenrechtsbildung und Extremismusprävention sind für eine offene Gesellschaft und für ein Europa der offenen Grenzen von existenzieller Bedeutung. Sie brauchen zwar die nationalen Perspektive, können mit dieser aber nur unzureichend gestaltet werden. Denn: Populistische und rechtsextreme Akteure sind in Europa vernetzt und handeln zunehmend wie eine „Internationale des Antimultilateralismus“, die sich professionell formiert. Rechte und rechtsextreme Gruppierungen infiltrieren Jugendgruppen, kommunizieren in jugendkulturellen Genres und nutzen grenznahe Regionen als wechselseitige Rückzugsräume. Hate Speech und Fake News beeinflussen in großem Maße die Stimmung im Internet bis hin zu politischen Entscheidungen. Insbesondere junge Menschen mit geringerer Bildungsteilhabe und begrenzteren Berufschancen sind diesen populistischen Kampagnen und Interventionen häufig nicht gewachsen und kaum in der Lage, sich eine möglichst auf Fakten basierende eigene Meinung zu bilden. Bislang finden praktisch keine grenzüberschreitenden Jugendbildungsmaßnahmen statt, die sich mit transregionalen antidemokratischen Ausprägungen auseinandersetzen und präventiv wirksam werden. Das ERASMUS+-Projekt „One Step Beyond“ will diese Situation nachhaltig verändern.

Unsere Ziele: Was haben wir vor?
Als zentrales Element des Projekts wird ein Konzept für eine transnationale Meldestelle „respect!“ entwickelt. Mithilfe einer solchen Meldestelle sollen Jugendliche und in der Jugendarbeit Tätige zukünftig aktiv gegen Hetze vorgehen können und von der Anlaufstelle qualifizierte Rückmeldungen erhalten. Begleitet wird die Meldestelle durch das Konzept „Internationale Demokratiebotschafter:innen gegen Hetze“. Hier sollen Jugendliche qualifiziert werden, in ihre Peer Groups sensibilisierend und demokratiestärkend hineinzuwirken. Weiterhin wird ein Glossar mit Begriffen aus den Bereichen Demokratieförderung, Menschenrechtsbildung und Extremismusprävention erarbeitet, welches den Verständigungsprozess zu zentralen Begrifflichkeiten sowie die Rechtgrundlagen der beteiligten Länder transparent darstellt.

Projektpartner: Wer ist beteiligt?
Es beteiligen sich Projektpartner aus Norditalien (Villa Vigoni), Süddeutschland (Jugendstiftung Baden-Württemberg und Jugendagentur gGmbH), dem Elsass (Fédération Départementale des Maisons des Jeunes et de la Culture du Bas-Rhin), der Schweiz (Infoklick und die GFGZ) und Belgien (Kaleido Ostbelgien). Die Projektkoordination liegt bei der Jugendstiftung Baden-Württemberg.
Aktueller Projektstand: Was haben wir bisher erarbeitet?
Zu Beginn des Projekts lag der Schwerpunkt darauf, eine Grundlage für das Konzept der Meldestelle zu erarbeiten. Dazu gehörte die Erstellung eines Rechtsgutachtens zur Strafbarkeit von Hetze im Internet nach länderspezifischer Rechtsprechung und bezogen auf alle fünf Partnerländer. Die Ausarbeitung übernahm ein Jurist der Villa Vigoni. Anschließend nahmen die Projektpartner an einem mehrtägigen Workshop („Short Term Training“) in Lottstetten, Deutsch-Schweizer Grenzgebiet, teil. Ziel des von der Jugendstiftung durchgeführten Trainings war es, die Teilnehmenden auf Basis der juristischen Analyse zur länderspezifischen Rechtslage zu schulen sowie Gemeinsamkeiten und Spezifika in Workshopform zu erarbeiten. Während des Workshops haben die Teilnehmenden unter anderem ein erstes inhaltliches Raster für die Meldefunktion auf dem späteren Meldeportal erstellt, eine Definition für Hate Speech erarbeitet sowie über Analyse- und Monitoringmöglichkeiten für die Meldungen gesprochen.
Parallel arbeitete das Projektteam an der Konzeption von transnationalen und lokalen Curricula zur Qualifizierung von Jugendlichen zu „Internationale Demokratiebotschafter:innen gegen Hetze“. Dafür ist bereits ein Grobkonzept entwickelt: Es handelt sich um jeweils vier- bis fünftägige modulare Qualifizierungskonzepte, durch die junge Menschen für die Umsetzung praktischer
Aktionen befähigt werden, bei denen sie als demokratische Akteure gegen Hate Speech und Fake News tätig werden. Zurzeit noch offen sind Fragen nach der konkreten Anbindung des Projekts (Schule?), der langfristigen Motivierung der Teilnehmenden, Einbindung von Jugendlichen in die Konzeption und die Umsetzung des internationalen, aber auch lokalen Charakters des Konzepts.
Im dritten Projektbaustein „Glossar“ hat sich das Projektteam auf 30 Begriffe geeinigt, die im Rahmen des Glossars erläutert werden sollen. Diese werde auf verschiedenen Ebenen betrachtet sowie unter Berücksichtigung unterschiedlicher Sprachen und Dialekte ausgearbeitet. Die Zielgruppe für das Glossar ist sehr breit aufgestellt: Es sollen sowohl Fachkräfte der Jugendarbeit davon profitieren als auch Jugendliche selbst, politische Entscheider:innen ebenso wie die interessierte Öffentlichkeit.

Ausblick: Was sind die nächsten Meilensteine?
Der nächste Meilenstein ist eine transnationale Transferkonferenz, die am 29. und 30. Juni 2022 in Luzern, Schweiz, stattfinden wird. Ziel ist, dort v.a. das Konzept für die transnationale Meldestelle vorzustellen und Feedback dazu aus dem fachkundigen Publikum (Fachkräfte der Jugendarbeit, Politik, Jugendliche, u.a.) einzuholen. Bei der weiteren Ausarbeitung des Meldestellenkonzepts wird dieses Feedback einfließen. Zudem werden bei der Konferenz Expert:innen für das Thema Umgang mit Hate Speech im Netz sprechen. Die Konferenz soll auch dazu dienen, das Thema in die Medienberichterstattung zu bringen. Parallel zur Vorbereitung der Transferkonferenz wird die Gruppe weiter am Konzept für die „Demokratiebotschafter:innen“ und am Glossar arbeiten.

 

ESF-Projekt "DiBs – Digitale Beziehungsarbeit mit Jugendlichen stärken“

Jugendarbeit ist in erster Linie Beziehungsarbeit. Die Stabilität, Verlässlichkeit und Belastbarkeit von personalen Beziehungen zu Jugendlichen entscheiden über den Erfolg präventiver, integrativer oder bildungsorientierter Zielsetzungen von Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und mobiler Jugendarbeit. Viele Fachkräfte aus dem Bereich der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und mobilen Jugendarbeit wurden seit Beginn der Covid19-Pandemie mit technischer Grundausstattung ausgerüstet und konnten sich Grundkenntnisse für Settings digitaler Kontaktarbeit und Zusammenarbeit aneignen. Dabei zeigt sich zunehmend, dass dies nicht ausreicht, um die in weiten Teilen nicht mehr stattfindende unmittelbare Beziehungsarbeit zu ersetzen oder umzusetzen.

Aus diesem Grund ist das zentrale Ziel des Projekts „DiBs“ die Qualifizierung von Fachkräften der Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und mobilen Jugendarbeit in Baden-Württemberg in der digitalen Durchführung von demokratiefördernden und präventiv wirkenden Angeboten. Durch die Qualifizierung von Fachkräften zum:zur zertifizierten „Trainer:in Digitale Beziehungsarbeit mit Jugendlichen stärken (DiBs)“- kurz: „DiBs-Trainer:innen“ und eine mitwachsende Lernplattform werden das erworbene Wissen und die entwickelten Methoden in die Fläche der Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und mobilen Jugendarbeit in Baden-Württemberg getragen.

Ausführliche Informationen zur Qualifizierung finden Sie hier: Dibs_Ausschreibung.

Zielgruppe: Fachkräfte der Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und mobilen Jugendarbeit

Auch online den Kontakt zu jungen Menschen nicht verlieren

28.10.2021 – Heute fällt der Startschuss für „DiBs – Digitale Beziehungsarbeit mit Jugendlichen stärken“

Jugendarbeit ist in erster Linie Beziehungsarbeit. Dass diese im digitalen Raum ungleich schwieriger umzusetzen ist, haben viele Fachkräfte der Jugendarbeit während der Pandemie erlebt. Deshalb bietet die Jugendagentur eine Qualifizierung „DiBs – Digitale Beziehungsarbeit mit Jugendlichen stärken“ an. Und heute geht’s los: 21 Teilnehmer:innen aus verschiedenen Bereichen der (mobilen) Jugend- und Schulsozialarbeit starten zusammen mit dem Team von „Playful Insights“ die Online-Qualifizierung zum:zur zertifizierten „DiBs-Trainer:in“. Im Zentrum steht die visuelle, spielerische und haptische Moderation im digitalen Raum. Dazu lernen die Teilnehmer:innen in den ersten 2 Modulen technische, kommunikative und didaktische Möglichkeiten, Kreativitätstechniken sowie digitale Tools und Methoden kennen, um mit Jugendlichen digital zu interagieren und die Beziehungsarbeit aktiv zu stärken.

20.12.2021 – Wir nutzen unsere Potentiale

Das ESF-Projekt „DiBs“ fordert und fördert unsere Teilnehmer:innen: die vier Module der Online-Qualifizierung sind abgeschlossen. Interaktiv haben wir Inhalte zu digitaler Beziehungsarbeit gemeinsam erarbeitet, konkrete Themenideen gesammelt und Anwendungsfelder für die (mobile) Arbeit mit Jugendlichen ausgetauscht. Ein paar Erkenntnisse:

  • Technik kann man lernen (und dann interaktiv anwenden)
  • Visuelle Moderation macht Spaß (und jeder ist kreativ!)
  • Auch im digitalen Raum muss man erst mal ankommen: Zwischenmenschliches wird also großgeschrieben, um Beziehungen aufbauen zu können.


Mit nötiger Flexibilität, hoher Motivation und dem Ziel, Gelerntes aktiv anzuwenden, starten wir im neuen Jahr in die Praxis mit vier themenbezogenen Konzeptwerkstätten.