Maximilian Fritsche – Engagement aus Leidenschaft – Der Weg eines Theatermachers zur Inklusion

Engagement aus Leidenschaft – Der Weg eines Theatermachers zur Inklusion

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Den Text gibt es auch als Audiodatei:

 

Eine eindrucksvolle Wandlung vom Jugendlichen mit schwieriger Vergangenheit zum engagierten Theatermacher und Inklusionsverfechter.
Aufgewachsen in einem gutbürgerlichen Elternhaus wurde sein Leben durch die Scheidung der Eltern und die damit einhergehenden Veränderungen geprägt. Trotz seiner anfänglichen Erfolge im Leistungssport geriet er in ein Umfeld aus Drogen und Kriminalität. An einem entscheidenden Punkt seines Lebens stellte er sich die Frage: Welche Seite wähle ich? Seine Antwort führte ihn weg von der Straße und hin zur sozialen Arbeit, insbesondere zur Theaterpädagogik.

Sein Engagement begann durch ein Projekt, das Jugendliche von der Straße holen sollte. Ursprünglich wurde er als Tänzer gefragt, was ihm anfangs unangenehm war. Doch die Zusammenarbeit mit Profimusikern weckte seine Begeisterung und die Resonanz aus dem Publikum gefiel ihm. Er blieb. Den Tanz erweiterte er durchs Schauspiel. Eine besondere Szene für ihn war seine erste Sprechrolle: im Stück „Der feine Herr P.“ spielte er einen Pizza-Lieferjungen mit italienischem Dialekt. Mit der Zeit wurde er vom reinen Teilnehmer zum aktiven Mitgestalter. Schließlich übernahm er die Leitung und entwickelte aus persönlichem Interesse eine tiefe Leidenschaft für das Projekt. Heute leitet er die Kulturinitiative Bohnenviertel e.V., eine Organisation, die sich durch Theater für Inklusion, gesellschaftlichen Wandel und politische Aufklärung einsetzt.

Ursprüngliches Ziel des Projekts war, das Stuttgarter Bohnenviertel von Kriminalität und Kinderprostitution zu befreien – ein Vorhaben, das erfolgreich umgesetzt wurde. Ab 2013 erweiterte sich der Fokus um Inklusion: Menschen mit Behinderungen, insbesondere Blinde und Menschen mit geistigen oder psychischen Beeinträchtigungen, wurden in das Theater integriert. Diese Entwicklung brachte Herausforderungen mit sich, insbesondere Berührungsängste zwischen den Teilnehmenden abzubauen, was durch spielerische Methoden, Theaterübungen und intensive Gespräche gelang.

Geprobt wird in einem Raum im Bohnenviertel: in der Begegnungsstätte im Bischof-Moser-Haus. Die Aufführungen finden im Theater statt: z.B. im Theaterhaus Stuttgart, im Friedrichsbau Varieté, auf der Landesbühne Esslingen oder im Kursaal Freudenstadt. Sogar bis nach Russland (Ufa und Moskau) ist Maximilian mit 3 speziellen Theaterstücken gekommen – sogar unter Zeitdruck (nur 4 Stunden Probezeit) und mit geistig behinderten Menschen erarbeitete die Gruppe sehenswerte Ergebnisse vor großem Publikum (1800 Besucher in Ufa). „Die Rapsoden“ sowie das „Handicaptions Festival“ sind fester Bestandteil der Stuttgarter Kulturwelt.

Maximilians Arbeit umfasst weit mehr als Theaterinszenierungen. Er führt Gespräche mit Politiker:innen und Behörden, um Fördergelder zu sichern, organisiert Kooperationen mit der Stadt
Stuttgart und internationalen Institutionen und setzt sich für gesellschaftliche Themen ein. Dabei nutzt er das Theater als Medium, um Missstände aufzuzeigen – von Inklusionsproblemen bis hin zu sozialen Brennpunkten. Ein besonderer Erfolg seines Engagements ist die erfolgreiche Vermittlung von Menschen mit Behinderungen in den ersten Arbeitsmarkt. Zum Theater dazu gekommen sind zudem Kunstaustellungen sowie Lesungen. Berühmte und interessante Menschen reden über ihr Leben im Format „mit+füreinander gestalten“. Ziel war es, Jugendlichen aus dem Viertel eine Perspektive zu geben und ihnen Talente vorzustellen, die ihnen noch unbekannt waren.

Trotz der positiven Entwicklungen bleibt die Arbeit herausfordernd. Die größte Hürde ist die Finanzierung: Ohne ausreichende Mittel von der Stadt muss vieles privat getragen werden. Dennoch bleibt er optimistisch und setzt sich mit langem Atem für seine Vision ein – eine Gesellschaft, in der Inklusion nicht nur ein Konzept, sondern gelebte Realität ist.

Seine Botschaft an Interessierte ist klar: Wer sich engagieren möchte, braucht Geduld und Ausdauer. Die Türen der Kulturinitiative Bohnenviertel stehen offen für alle, die mitwirken möchten – sei es als Schauspieler:in, Unterstützer:in oder einfach als jemand, der/die sich für eine vielfältigere Gesellschaft einsetzen will.

Mehr Informationen zu Maximilian und seiner Arbeit gibt’s beim Kulturinitiative Bohnenviertel e.V. – dort liegen auch die Bildrechte der verwendeten Fotos.

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EN

Maximilian Fritsche – Passionate commitment – A theater maker’s path to inclusion

The story of this person is an impressive transformation from a teenager with a difficult past to a committed theater maker and advocate of inclusion.

Have a look at our virtual monument

Listen to the text in our audio:

 

Growing up in a middle-class home, his life was shaped by his parents‘ divorce and the changes that came with it. Despite his initial success in competitive sport, he found himself in an environment of drugs and crime. But at a crucial point in his life, he asked himself the question: Which side do I choose? His answer led him away from the streets and towards social work, particularly theater education.

His involvement began with a project to get young people off the streets. He was originally asked to be a dancer, which initially made him uncomfortable. But the collaboration with professional musicians awakened his enthusiasm and he stayed – first as a participant, then as a co-creator. Eventually, he took over the management and developed a deep passion for the project out of personal interest. Today, he heads the Kulturinitiative Bohnenviertel e.V., an organization that uses theater to promote inclusion, social change and political education.

The initial aim was to rid Stuttgart’s Bohnenviertel district of crime and child prostitution – a project that was successfully implemented. From 2013, the focus expanded to inclusion: people with disabilities, in particular the blind and people with mental or psychological impairments, were integrated into the theater. This development brought with it challenges, in particular to break down fears of contact between the participants. This was achieved through playful methods, theater exercises and intensive discussions.

His work encompasses far more than just theater productions. He holds talks with politicians and authorities to secure funding, organizes collaborations with the city of Stuttgart and international institutions and campaigns for social issues. He uses theater as a medium to highlight grievances – from inclusion problems to social hotspots. One particular success of his commitment is the successful placement of people with disabilities in the primary labor market.

Despite the positive developments, the work remains challenging. The biggest hurdle is funding: without sufficient funds from the city, much of the work has to be funded privately. Nevertheless, he remains optimistic and is persevering with his vision – a society in which inclusion is not just a concept, but a living reality.

His message to those interested is clear: if you want to get involved, you need patience and perseverance. The doors of the Bohnenviertel cultural initiative are open to anyone who wants to get involved – whether as an actor, supporter or simply as someone who wants to work towards a more diverse society.

You can find more information about Maximilian on the website of Kulturinitiative Bohnenviertel e.V. – the image rights to the photos used are also held there.